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Seit 2024 sponsern wir die Fußball C-Mädchen des BV Werther. Der BV Werther ist ein Traditionsklub und besteht als reiner Ballsportverein seit 1920.
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Reitschule setzt auf Feingefühl statt Sporen
Fuchsstute Lady gehört erst seit vier Monaten zu der siebenköpfigen Herde von Ann-Katrin Schubert. Doch offensichtlich fühlt sich das 21 Jahre alte Pony schon wohl zwischen den Artgenossen. Fotos: Silke Derkum-Homburg Montag, 23. März 2026
Vor zehn Jahren hat Ann-Katrin Schubert ihre Reitschule am Wertherberg gegründet. Dort stehen nicht Leistung und Turniererfolge im Vordergrund, sondern der einfühlsame Umgang mit dem Pferd. Werther. So sieht ein entspanntes Pferdeleben aus. Alle viere von sich streckend liegt Schimmelwallach Don auf dem warmen Sand und genießt die Frühlingssonne. Auch der braune Figo und Fuchsstute Lady haben es sich auf dem Boden bequem gemacht. Als Ann-Katrin Schubert auf sie zugeht, sich dicht neben die Stute hockt und ihr den Arm um den Hals legt, bleibt sie entspannt liegen. Pferde sind Fluchttiere und legen sich draußen nur hin, wenn sie sich sicher und wohl fühlen. Dass das so ist, darauf legt Ann-Katrin Schubert großen Wert. Die 40-Jährige betreibt seit zehn Jahren die Reitschule am Wertherberg. Und in der geht es ihr nicht nur darum, dass Kinder reiten lernen, sondern dass sie den einfühlsamen Umgang mit dem Pferd erlernen – und der beginnt, lange bevor sie sich in den Sattel schwingen. Pferde haben im Leben der Wertheranerin schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Bereits als Kind hatte sie auf dem elterlichen Hof ein Pony. Später startete sie in Dressurprüfungen und verschrieb sich dann für viele Jahre dem Fahrsport. Fuhr ein- bis vierspännig auf Turnieren und saß als Beifahrerin auf dem Kutschbock der stolzen Kaltblut-Gespanne der Herforder Brauerei. Berufliche Erfüllung als Steuerfachfrau So sehr sie Reiten und Fahren liebt, „einen Beruf mit Pferden wollte ich nie machen“, sagt Ann Katrin Schubert. Überlegungen als Bereiterin oder bei der Polizeireitstaffel zu arbeiten, verwarf sie. Stattdessen entschied sie sich für einen Bürojob und ließ sich zur Steuerfachangestellten ausbilden. Doch 2014 gab es eine große Veränderung. „Wir hatten die Möglichkeit, in das Haus zu ziehen, in dem schon meine Ururgroßeltern gewohnt haben“, erzählt sie. Und dieses Haus liegt umgeben von Wiesen am Wertherberg. Was lag da näher, als auch die eigenen drei Pferde dorthin an die Rauhe Horst zu holen und am Haus zu halten? Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie großzügige Paddockställe und einen Reitplatz. Und langsam wuchs der Wunsch, vielleicht mehr aus dieser Anlage zu machen. „Für mich war immer klar, wenn ich einen anderen Beruf mache, dann möchte ich auch mit Kindern arbeiten“, sagt Ann-Katrin Schubert. Sie ließ sich zur Reitpädagogin ausbilden und setzte noch den C-Trainerschein obendrauf. Mit zwei Ponys und zwei Großpferden startete sie 2015 nebenberuflich in die Selbstständigkeit als Reitschulbetreiberin. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder den ganzheitlichen Umgang mit Pferden lernen. Nicht nur reiten, sondern putzen, satteln und die Pferde zu versorgen“, erklärt sie. Wie hilft man dem Pferd, wenn es krank ist? Warum darf man nicht reiten, wenn der Boden gefroren ist? Warum sind die Pferde immer draußen? Die Kinder – ab drei Jahren kann man am Wertherberg beginnen – stellen die richtigen Fragen. In den 60 Minuten, die für eine Zweiergruppe reserviert sind, steht deshalb auch nicht immer das Reiten im Vordergrund. Die Kinder entscheiden bei jeder Stunde gemeinsam mit der Reitlehrerin, was sie machen wollen. Das kann ein Spiel auf oder neben dem Pferd sein, eine Turnübung, eine Massage mit Fingerfarben oder das Führen durch einen Parcours.“ Persönlichkeit, soziale Kompetenzen, Koordination, Motorik, Wahrnehmung, Sensibilität – es gibt eine Reihe von Entwicklungen, die durch den Umgang mit den Tieren gefördert werden, sagt Ann-Katrin Schubert. Aber auch bei Älteren oder Erwachsenen legt das Team – acht Mitarbeiterinnen unterstützen Ann-Katrin Schubert – Wert auf Feingefühl. Gerten und Sporen gibt es am Wertherberg nicht. Die meisten Tiere werden mit Trensen ohne Gebisse geritten. Und die Kinder lernen von Beginn an, dass Gewicht und Schenkel beim Reiten wichtiger sind als die Hände. Bei Gruppengrößen von zwei bis drei Kindern kommen etwa 30 bis 35 Kinder pro Woche in die Reitschule mit ihren sieben Pferden. Die Warteliste sei lang, sagt die Reitlehrerin. Donnerstags und sonntags ist Ruhetag. „Denn schließlich wohnen wir hier ja auch noch als Familie“, sagt Ann-Katrin Schubert augenzwinkernd. Als Mutter zweier Söhne, sechs und acht Jahre alt, wären die Tage auch ohne Reitbetrieb wohl schon ausgefüllt. Auch die Alpakas werden pädagogisch eingesetzt Zweimal im Jahr bietet Ann-Katrin Schubert mit ihrem Mann den Workshop „Tiergestützte Interaktion von Kindern mit ADS/ADHS-Symptomatik“ an. „Mein Mann hilft mir viel bei der Arbeit auf dem Hof, obwohl er mit Pferden selbst nichts zu tun hat“, sagt sie lachend. Und als Psychotherapeut ist er prädestiniert für die Workshops. Dabei kommen nicht nur die Pferde, sondern Kevin Schuberts Lieblingstier, die drei Alpakas der Familie zum Einsatz. Ebenso die drei Hunde, drei Katzen und die Hühnerschar. Die Tiere helfen bei der Verbesserung der Impulskontrolle, der Konzentrationsfähigkeit und dabei, zur Ruhe zu kommen, sagt Ann-Katrin Schubert. Ebenso wie die Hofführungen für Alteneinrichtungen. „Da decken wir draußen eine Kaffeetafel, und die Senioren können die Tiere begutachten, streicheln und halten. Die Favoriten sind immer die Hühner. Die werden gerne auf den Arm genommen und gestreichelt.“ Und wie oft sitzt Ann-Katrin Schubert noch selbst auf dem Pferd? Denn immerhin arbeitet sie nach wie vor in Teilzeit als Steuerfachangestellte. Da muss sie lachen. „Ich reite die Pferde regelmäßig Korrektur, um zu fühlen, ob alles in Ordnung ist und damit sich keine Unarten einschleichen. Bei den Ponys mache ich das Gleiche mit Bodenarbeit.“ Aber dass sie sich ihren Wallach Fagus nimmt und wirklich nur für sich zum Genuss reitet – „dazu komme ich höchstens zwei Mal im Monat.“
